STT 2/2010, Nürburgring: Nasse Sache

Nur eine Woche nach dem Auftaktsieg beim STT H&R Cup auf dem Salzburgring schlugen Jürgen Alzen und Gerald Schalk (Porsche 997 Turbo) erneut zu. Bei wechselnden Wetter- verhältnissen behielt das Team einen kühlen Kopf und entschied sich für die richtige Boxenstrategie.

Nachdem Alzen den Start gefahren war und ordentlich vorgelegt hatte, fuhr Schalk den Sieg nach Hause. Die Plätze auf dem Treppchen belegten Sven Fisch (V8 STAR) und Christopher Gerhard (Porsche 997 Cup). Das freie Training am Samstagabend fand noch bei Sonnenschein und trockenen Bedingungen statt. Doch das Eifelwetter zeigte sich einmal mehr von seiner launenhaften Seite und über Nacht zogen Regenwolken auf. Vor allem den STT Startern im gemeinsamen Feld mit den AvD 100 Meilen kamen die nassen Streckenbedingungen während des Qualifying zugute.


So waren die ersten beiden Startreihen fest in STT-Hand. Jürgen Alzen nutzte die Vorteile seines Allrad-Porsche voll aus und fuhr die zweite Pole der Saison ein. Christopher Gerhard entschied mit Startposition zwei das klasseninterne Duell gegen Salzburgring-Sieger Michael Bäder im BMW Z4 V8 für sich. Dazwischen schoben sich noch Sven Fisch, der schon letzte Saison in Hockenheim gezeigt hatte, dass mit ihm bei Regen zu rechnen ist und René Snel im Porsche 996 GT2. „Hoffentlich regnete es den ganzen Tag, sonst muss ich schon wieder Reifen wechseln“, meinte Christian Hofmaenner noch nach dem Qualifying. Das Eifelwetter machte dem Mitsubishi Evo Piloten einen Strich durch die Rechnung. Vor dem Start zum Rennen trocknete die Strecke ab, so dass die Reifenwahl klar war.

Alzen/Schalk mit dem zweiten Gesamtsieg
Jürgen Alzen ließ das restliche Feld mit einem Blitzstart stehen. Die Devise war bei der unberechenbaren Wetterlage klar, so lange wie möglich draußen bleiben und Tempo machen. Diese Taktik sollte sich letzten Endes auszahlen. In der 19. Runde kam Alzen erst zum Stopp in die Box. Kurz vor Ablauf der 20 Minuten Standzeit setzte der Regen ein. Mit Regenreifen ging Gerald Schalk auf die Strecke und hatte damit voll ins Schwarze getroffen. Auf regennasser Fahrbahn war dem Team der Sieg nicht mehr zu nehmen, zumal ein Großteil der Konkurrenz gleich zweimal stoppen musste.

Wie ein Fisch im Wasser
Sven Fisch hatte nach einem Dreher gleich in der ersten Runde scheinbar alle Karten für eine vordere Platzierung verspielt. „Das war ganz klar mein Fehler. Da gibt es keine Ausreden“, gab der V8 STAR Pilot zu. In Aufholjagden mittlerweile geübt, kämpfte sich Sven Fisch Runde um Runde nach vorne. Angesichts der aufziehenden Regenfront wurden beim Pflichtboxenstopp Regenreifen montiert. Die richtige Reifenwahl und die gute Performance im Regen spülten den V8 STAR weit nach vorne. René Snel kam zwar noch einmal ran und war auch eingangs Mercedes Arena kurz vorbei, doch Sven Fisch hielt den Porsche im weiteren Rennverlauf hinter sich. Da der Niederländer wegen Unterschreitung der Boxenstand um acht Sekunden eine Strafzeit aufgebrummt bekam, war dem Stuttgarter Gesamtplatz zwei nicht mehr zu nehmen.

Trotz falscher Reifenwahl aufs Podium
Der Drittplatzierte Christopher Gerhard war nach dem STT Auftakt weit weniger zufrieden. Zuviel hatte der Meister von 2009 auf den leistungsstärkeren BMW von Michael Bäder verloren. Nach dem bestens verlaufenen Qualifying mit Startposition zwei hoffte Gerhard für das Rennen ebenfalls auf Regen. Auf zunächst trockener Strecke verteidigte der Porschepilot die zweite Position im Gesamt, doch nach und nach musste er Bäder und Snel passieren lassen. Erneut schien nur der zweite Platz in der Klasse 2 zu winken. Dazu kam noch, dass ausgerechnet bei der Boxenausfahrt der Regen einsetzte. „Ich fuhr mit Slicks los. In der Mercedes-Arena war klar, dass das falsch war. Da es nur wenig regnete und ich dachte, es würde wieder trocken werden, montierten wir gebrauchte Regenreifen mit weniger Profiltiefe. Leider stand ziemlich bald viel Wasser auf der Strecke – zumindest für meine Reifen – so dass ich arges Aquaplaning hatte“, so Gerhard. Dass es dennoch zu Platz drei reichte, lag auch an den Schwierigkeiten von Michael Bäder beim Boxenhalt. „Auf der Strecke lief eigentlich alles optimal, nur der Boxenstopp ging total in die Hose. Ich bekam irgendwie das Signal zum Losfahren, sollte aber wohl doch nicht und wurde wieder zurückgeschoben. Da hat das ganze Team inklusive mir einfach nicht funktioniert“, gab Bäder zu Protokoll.

Haubenlos zum Klassensieg
Eine bessere Platzierung von Ulrich Becker verhinderten wohl Reifenprobleme zu Beginn des Rennens. „Die Reifen funktionierten einfach nicht, daher mussten wir so früh stoppen“, erklärte Becker. Der Porschepilot war als erster STT-Starter an die Box gefahren und musste daher die meisten Runden im Regen drehen. Dennoch sprang mit Position drei in der Klasse 2 ein am Ende noch ein annehmbares Ergebnis heraus. Reiner Lutz im Porsche Cayman hätte von diesen Problemen fast noch profitieren können. Kurzzeitig lag der Neueinsteiger, der nur einmal gestoppt hatte, vor Becker, doch am Ende fehlten 5,697 Sekunden zu Klassenrang drei. Den fünften Platz bei den Fahrzeugen bis 5000 ccm belegte der Schweizer Walter Vonwyl im Porsche 996 GT3 RS. Hinter dem Drittplatzierten der großen Klasse Jack Rozendaal (Porsche 996 Turbo) beendete Joachim Duscher im Audi 80 Turbo das Rennen auf Platz neun. Sowohl im Trockenen, als auch im Regen beherrschte Duscher seine Klasse. Eine Schrecksekunde gab es dennoch zu verkraften. Nach dem Stopp an der Box verabschiedete sich die Motorhaube. Den Klassensieg vor Wolfgang Fischer (BMW M3 E36) und Pierre Bonhôte (Mitsubishi Evo 7) konnte das aber nicht mehr gefährden, zumal der Audipilot unbeirrt seine Fahrt fortsetzte.

Jochen Thissen gewinnt 2-Liter Klasse
Ebenfalls nicht perfekt, aber im Grunde doch optimal lief das Wochenende für Jochen Thissen im Opel Astra. Da der Scheibenwischer zwischendurch den Dienst quittierte und bei der Suche nach dem richtigen Schalter kurzfristig die Benzinpumpe außer Kraft gesetzt wurde, rollte der Astra in der Mercedes Arena aus. Als alles wieder nach Wunsch lief, stand dem Sieg in der 2-Liter Klasse aber nichts mehr im Weg. Die Reifenwahl von Joachim Bunkus (Triumph Dolomite) hatte sich als zu optimistisch erwiesen. „Zuerst ging es ins Kiesbett, danach hatte ich mich gleich zweimal gedreht. So etwas hatte ich bis jetzt auch noch nicht“, so der langjährige STT-Starter. Damit erlebte die Klasse den dritten Sieger im dritten Rennen. Vom Pech verfolgt scheint hier Hajo Chorus zu sein. Gleich nach der Rückkehr vom Salzburgring hatte das Team in Nachtschichten den Focus flott gemacht. Am Nürburgring streikte dann erneut das Getriebe.

Damenpower in der STT
Ungemütlich wurde es für Caterham Pilot Kurt Hoffmann, der als 16. seine Klasse gewinnen konnte. Nicht ganz glücklich über Platz 11 und den verpassten dritten Platz in der Klasse 1 war Jörg Lorenz. Seine Rundenzeiten hätten gereicht, um auf Klassenrang drei gewertet zu werden. Nach schönem Zweikampf mit Gaststarter und STT-Rückkehrer Stefan Eilentropp (Porsche 997 GT3) klappte der Räderwechsel beim Boxenstopp nicht. Drei endlose Minuten verstrichen und kosteten eine besser Endplatzierung. Bleiben noch die zwei Damen im STT Feld zu erwähnen. Während Petra Kolic-Wiese ihren Golf bereits nach dem freien Training wegen Getriebeschaden stehen lassen musste, heimste Alexandra Irmgartz gleich in ihrem ersten STT Rennen einen Pokal ein. Die Tochter des dreimaligen STT Meister Michael Irmgartz scheint die Regenkünste ihres als „Rainman“ bekannten Vaters mitvererbt bekommen zu haben.

Patrick Holzer