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Interview mit Christopher Gerhard zum Einsatz im Porsche Carrera Cup am Nürburgring

Frage: Christopher, am vergangenen Wochenende hast Du auf dem Nürburgring deine Premiere im Porsche Carrera Cup feiern können. Wie zufrieden bist du mit deinem Gaststart in der populären Rennserie?

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Christopher Gerhard: “Am Sonntag nach dem Rennen hätte ich geantwortet, dass wir sehr zufrieden sind. Wir hatten 2 Wochen vor dem Gaststart die Frage nach unserer Erwartung dahingehend beantwortet, dass ich glaubte, dass wir 2,0-2,5 sek in unserer schnellsten Rennrunde, auf die schnellste Rennrunde absolut betrachtet, verlieren würden. Dabei gingen wir noch davon aus, dass wir am 29.07.2011 einen Testtag am Nürburgring auf der Sprintstrecke einlegen konnten.

Dieser Testtag ist leider aufgrund von Nebel dann ausgefallen und wir durften lediglich ein paar Runden unsere Bremsen einbremsen.

Somit sind wir ohne einen einzigen Testtag mit dem für uns neuen Auto angereist und fuhren im Rennen mit einer 1.33,40 min exakt 2,0 sek langsamer als die schnellste Rennrunde.

Das Rennen, welches wir mit diesem Auto in Spa fuhren, ordneten wir dem Ziel der Maximal-Punktzahl unter. Wir wurden auch mit der Tabellenführung in der STT belohnt. Allerdings lernt man das Auto eben dann nicht kennen, wenn man nicht auch noch die letzte Sekunde „herausquetscht“ und in Spa war das nicht nötig.”

So gesehen, hätte ich am Sonntag geantwortet, dass wir extrem zufrieden sind.

Dass ich bei einem missglückten Überholversuch in der zweiten Runde auf die dreckige Linie kam und mich drehte und das Rennen als solches danach für mich als Rennen in Bezug auf Positionen gelaufen war, war zwar schade aber eher von untergeordneter Bedeutung.

Wir haben dann ja zum Rennende hin auch einen Boxenstop eingelegt um zu sehen wo wir mit dem Luftdruck lagen, da ein Check der Drücke im Parc Ferme des Carrera Cup verboten ist und da wir mit dem Auto und den neuen Reifendimensionen ganz am Anfang stehen, war das für uns wichtig.

Heute würde ich die Frage anders beantworten, denn nach Betrachtung der Onboard-Aufnahmen und der Daten, hätten wir mit einem anderen Setup vermutlich deutlich schneller fahren können.

 

Frage: Du verfügst ja über etliche Jahre Motorsporterfahrung, sowohl im Sprint-als auch Langstreckenbereich. Aber mal Hand aufs Herz-war dein Pulsschlag vor dem Qualifying und dem Rennen so wie immer oder vielleicht doch höher als sonst?

Christopher Gerhard: “Ich glaube, ich war zu konzentriert und zu fokussiert, als dass mein Puls höher als sonst schlagen konnte. Auch durch meine vielen Wettkämpfe als Zehnkämpfer bin ich in der Lage, immer konzentriert und fokussiert zu sein. Aber ich war sicher das ganze Wochenende konzentrierter als sonst. Sowohl auf als auch neben der Strecke, denn in einem so dichten Feld, bei dem über das ganze Jahr das ganze Feld immer ziemlich genau 2,0 Sekunden auseinander ist, kann es nur volle Konzentration und vollen Einsatz geben, insbesondere dann, wenn man als Gaststarter und völlig ohne Erfahrung mit dem Auto, sowohl als Team als auch als Fahrer, antritt. Unser „Reifenmann“ ist gewöhnt mit geheizten Reifen zu arbeiten, ich als Fahrer natürlich auch. Zudem bin ich 7 Jahre immer mit ABS gefahren und mit Ausnahme der diesjährigen Rennen auch immer mit Zwischengassystem. Also war volle Konzentration gefordert.”

 

Frage: Der Porsche Carrera Cup gehört bekanntlich zu den Rennserien, die ein sehr starkes und vor allem ausgeglichenes Starterfeld vorweisen können. Für Dich war es nach dem STT Rennen in Spa-Francorchamps erst der zweite Auftritt überhaupt mit dem neuen Fahrzeug, weshalb ja auch der Lernprozess ein wichtiger Faktor an diesem Wochenende war. Was konntest Du für neue Eindrücke und Erkenntnisse gewinnen?

Christopher Gerhard: “Die wichtigste Erkenntnis ist, dass ich mit unserem Setup am Sonntag bei der Fahrt in die Startaufstellung besser nicht die Querspange genommen hätte, sondern geradeaus zur Müllenbachschleife gefahren wäre, um dort an einem Driftwettbewerb teilzunehmen (Christopher lacht). Unglaublich, wie stark unser Auto übersteuert hat. Aus jeder Ecke raus habe ich wichtige Zeit verloren. Mit dem richtigen Setup wäre es deutlich entspannter und sicher auch einige Zehntel schneller gegangen. Unser Team setzt seit vielen Jahren einen 997 GT3 Cup Modelljahr 2008 ein und hat damit viel Erfahrung. Aufgrund der veränderten Reifendimensionen ab diesem Jahr  und mit dem 2011er Auto müssen wir uns aber hier erst zurechtfinden und haben vorne etwas zu wenig und hinten deutlich zu wenig Sturz gehabt.

Die zweite Erkenntnis ist, dass man ohne eigene Messbühne, auf der das Auto idealerweise bis kurz vor dem jeweiligen Vorstart steht - vorsichtig formuliert - suboptimal aufgestellt ist.”

 

Frage: Hast du in naher Zukunft neben der Spezial Tourenwagen Trophy (STT) noch weitere Gaststarts in anderen Rennserien geplant? Kannst Du uns schon einen Ausblick hierauf geben? 

Christopher Gerhard: “Über andere Rennserien haben wir nicht nachgedacht, aber einen weiteren Gaststart im Carrera Cup fände ich schon optimal.”